Druckgraphische Techniken

Nahezu alle der klassischen oder Grundverfahren der Druckgraphik weisen eine Vielzahl von Varianten auf und sind vielfältig mit- und untereinander kombinierbar, auch werden sie in der künstlerischen Praxis der Gegenwart abgewandelt oder ergänzt.

Voraussetzung für die Herausbildung und Entwicklung der europäischen Druckgraphik war das Vorhandensein und die ständige Verfügbarkeit des Werkstoffes Papier, einer ostasiatischen Erfindung. Erstes Vorkommen in China um 1000 v. Chr.;  von Korea ausgehend seit dem 8.Jahrhundt. n.Chr. über den Vorderen Orient nach Spanien verbreitet. Die europäische Papiertechnik wurzelt in Fabriano, wo seit der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts Papier hergestellt wird. Die ersten Papiermühlen in Deutschland entstanden um 1390 in Nürnberg und Ravensburg. Seit dieser Zeit sind erste Holzschnitte sowie Kupferstiche nachweisbar.

Hochdruck

Eingefärbt werden die hochstehenden Stege oder Flächen des Druckstockes, diese übertragen die Farbe auf das bedruckende Material, in der Regel Papier.

Hochdrucktechniken sind: Holzschnitt, Linolschnitt, Holzriss, Holzstich. Gedruckt wird mit einer Kniehebelpresse, die für den Buchdruck entwickelt wurde.


HOLZSCHNITT.

Der Holzschnitt mit seinen Variationen, Linolschnitt, Holzstich, Holzriss und Montagedruck – für den Hoch- und Tiefdruck miteinander kombiniert werden können, ist die bekannteste Technik des Hochdrucks. Er ist eine der ältesten druckgrafischen Techniken, verwandt dem Stempeldruck. Die abzudruckenden Partien des aus Langholz gefertigten Druckstockes werden erhaben, also hochstehend aus dem Material herausgearbeitet. Es drucken oben liegende Stege oder Flächen, nicht drucken sollende Partien werden eingetieft. Zur Bearbeitung des Druckstockes werden Messer, Hohleisen, Geißfüße und Meisel verwendet.

Die Blütezeit des Holzschnittes ist das 15. und 16. Jahrhundert mit absoluten Meisterleistungen u.a. von Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., Hans Baldung Grien, Hans Burgkmair d. J. u.a. Künstlern. Holzschnitte dominierten als Illustrationen die Buchkunst, dabei kam es zu einer Trennung zwischen dem Entwerfer („Reißer“), dem Hersteller der Druckform („Formschneider“) und dem Drucker / Verleger. Seit dem mittleren 19.Jahrhundert erfuhr der Holzschnitt eine Wiederbelebung durch die Einführung des Holzstiches. Damit konnten wieder Text und Bild von einer Form gedruckt werden. Berühmt sind die Arbeiten von Adolf Menzel, Ludwig Richter oder Gustave Doré. Der Originalholzschnitt, wo Schnitt und (oftmals) Druck in der Hand des entwerfenden Künstlers liegen, erfuhr seine Wiedergeburt durch die deutschen Expressionisten, vor allem durch die Künstler der „Brücke“.

3 Grundtypen des Holzschnitts

  1. Schwarzlinientechnik: Die Figur wird durch schwarze Linien
    auf dem weißem Grund des Papiers gebildet; es drucken nur die Stege. Im Beginn der Holzschnittkunst dominierte die Schwarzlinientechnik die Gestaltung als reine Umrissdarstellung. Sie bestimmt der Charakter der Holzschnittkunst während des 15. und 16. Jahrhunderts. Als Besonderheit können Linienholzschnitte auch weiß auf schwarzes Papier gedruckt werden, ein Verfahren, das auch im Tiefdruck Anwendung findet.
  2. Weißlinientechnik: Die Figur wird durch weiße Linien aufschwarzem Grund gebildet, sie erscheint quasi negativ dargestellt. Die Zeichnung wird in die Fläche hinein geschnitten, ist also vertieft. Abgedruckt wird die Fläche, das Figur bildet sich aus den nichtdruckenden Linien. Weißlinienschnitte waren stets ein Sondergebiet des Holzschnittes, bekannt wurden die Arbeiten von Urs Graf. Im 20. Jahrhundert wurde diese Technik vor allem von den Expressionisten wieder belebt.
  3. Flächentechnik: Im Unterschied zu den beiden anderen Verfahren bestimmen nicht Linien, sondern geschlossene Flächen den Charakter des Schnittes. Flächenholzschnitte sind charakteristisch für die Holzschnittkunst am Ende des 19./ und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem Edvard Munch, Paul Gauguin, Emil Nolde und andere expressionistische Künstler sind zu nennen. Für diese Technik werden auch natürliche Eigenschaften des Holzes ausgenützt, wie Struktur oder Maserung. Innerhalb des Flächenschnittes gibt es viele Ausdrucks- und Kombinationsmöglichkeiten
    Für Farbdrucke muss in der Regel für jede Farbe ein separater Druckstock geschnitten werden. Erste Versuche zur Mehrfarbigkeit stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert, u.a. von Lucas Cranach d. Ä. Eine besondere Methode des Farbdruckes im Holzschnitt entwickelte Edvard Munch: Er zerteilte seine Druckplatte, indem er die Partien für einzelne Farben aus dem Stock herausschnitt und diese separat druckte.
    Gedruckt wird auf Kniehebelpressen für den Buchdruck oder auch mittels Pressen aus der Werkstatt des Buchbinders. Ebenso sind Handabzüge unter Verwendung von Falzbein oder eines Reibers möglich.

Varianten des Holzschnitts:

  1. Linolschnitt
    Das Prinzip dieser Technik ist dem Holzschnitt gleich, deshalb ist auch Weißlinien- und Schwarzlinien-Technik möglich. Das Material lässt sich leicht und in jeder Richtung schneiden und ist Ideal geeignet für Farbdruck. Im 20. Jhdt. wurde der Linolschnitt von bedeutenden Künstlern wie Maurice Vlaminck und Christian Rohlfs genutzt, besonders zu nennen ist Pablo Picasso, der eine technische Neuerung im Farblinolschnitt durch Einplatten – Farbdrucke entwickelte. Technisch neu war auch bei Willhelm Lachnit das Ätzen des Linoleums.
    Diese Technik findet Varitionen bei Schnitten in Plaste, Karton und Gummi. Man erkennt sie an gleitenden, oft schwungvollen Schnitten, an den klaren Flächen mit glatten Umrissen, die bei dünnem Einfärben eine gesprenkelte Struktur aufweisen. Farblinolschnitte haben oft dicke, ledrig-steif wirkende und zuweilen grieße Strukturen. Ein Druck ist dann gut, wenn er möglichst geringe Quetschränder hat.
  2. Holzstich
    Diese Technik wird auch als Xylographie ( griech. für Holzschneidekunst) bezeichnet. Die Druckstöcke werden aus Hirnholz hergestellt, wobei sich als von großer Härte und deshalb als besonders geeignet Buchsbaum erwies. Da keine großformatigen Stücke gewonnen werden können, müssen Druckplatten durch Verleimen zusammengefügt werden. Nach anschließendem Planschleifen und Polieren kann die Bearbeitung erfolgen. Verwendung finden Grabstichel, ähnlich denen für Kupferstiche. Das Holzstichverfahren ermöglicht klein- und feinteilige Gestaltung, äußerst differenzierte Linienführung und die Erzeugung von Halbtönen. Der Druck erfolgt gleich dem Holzschnitt auf einer Buchdruckpresse.
    Heimatland des Holzstichs ist England. Dort fanden um 1750 sowohl Hirnholz als auch Stichel Eingang in die Buchillustration. Von besonderer Bedeutung war dabei das Wirken von Thomas Bewick (1753 – 1828). Im 19. Jahrhundert weitverbreitet als Reproduktionstechnik für Illustrationszwecke. Erst im 20. Jahrhundert als originalgraphisches Verfahren eingeführt, wobei Leipzig sich zu einem Zentrum seit den dreißiger Jahren herausbildete.
  3. Holzriss
    Darunter wird eine Sonderform des Holzschnittes verstanden, wobei die Bildform durch kratzen und ritzen des Druckstocks mittels scharfer, dreikantiger Eisen geschaffen wird.
    Besonders bekannt wurde der Holzriss durch die Arbeiten von Gerhard Altenbourg (1926 – 1989) und Werner Wittig.
    Farbdrucke sind auch in der Holzriss –Technik durch Verwendung mehrerer Druckstöcke möglich.
  4. Sonderformen
    • Schrotschnitt
      Darunter sind Metallplattendrucke zu verstehen, die ausschließlich in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden und zwar unter Verwendung verschieden großer runder Punzen oder auch gemusterter Zierpunzen (Sterne etc.), deren Einschläge beim Druck auf einer Hochdruckpresse hell bleiben. Die Punktreihungen erinnern an Verfahren des Kupferschmiedes, das „Schroten“, daher der Name für die Technik. Sie wurde wahrscheinlich vor allem von Goldschmieden ausgeführt.
    • Metallschnitt
      Es handelt sich um eine Sonderform des Formschnittes mittels schneidender oder schleifender, bzw. bohrender Werkzeuge in Metallplatten, z.B aus Messing oder Blei ausgeführt und vorzugsweise für Buchillustrationen verwendet.
Tiefdruck

Nachdem die eingefärbte Oberfläche des gravierten,  gestochenen oder geätzten Bildträgers, im Normalfall eine Metallplatte (Kupfer, Zink) komplett durch Auswischen von der Farbe befreit wurde, befindet sie sich lediglich noch in den Vertiefungen der Platte. Im Druckvorgang wird unter starkem Druck vom durchfeuchteten Papier die Farbe aus ihnen heraus bzw. wird das Papier in sie hineingepresst. Es ist auch möglich, die Platte nicht vollständig auszuwischen, wenn aus gestalterischen Gründen ein leichter Plattenton erwünscht ist.

Tiefdrucktechniken sind: Kupferstich, Ätzradierung, Kaltnadelradierung, Aquatinta, Vernis mou (Weichgrundätzung), Mezzotinto (Schabkunst).

Gedruckt wird mit einer walzengetriebenen Kupferdruckpresse.


RADIERUNG

Die Bezeichnung „Radierung“ geht auf das lateinische Verb „radere“ = kratzen zurück (engl. Bezeichnung: etching; in Frankreich eauforte) womit der technische Vorgang des Ritzens einer Druckplatte – beispielsweise bei der sog. Kaltnadelarbeit – bzw. einer Lackschicht über der Metallplatte ( Kupfer, Zink, Messing, Aluminium) bezeichnet wird. Im Gegensatz zur Arbeit mit „kalten Nadel“ werden die Linien chemisch mittels Säuren in die Druckplatte geätzt. Gezeichnet wird mit der Radiernadel, dem Roulette (=drehbares Rädchen mit Zähnen) oder der Moulette (= drehbare rauhe Walze) auf die mit einer säurebeständigen Schicht (Asphaltlack-Mischung, Wachs, Mastix) überzogenen Platte. Danach kommt die auch auf der Rückseite und den Rändern gegen den Säureangriff abgedeckte Platte in ein Säurebad (z.B. Zn/Salpetersäure und Cu/Eisenchlorid), in dem die Säure an den freigelegten Stellen in das Metall vertiefte Linien frisst. Außerdem kann Ätzflüssigkeit mit dem Pinsel (Pinselätzung) oder auf andere Weise direkt auf die Platte gebracht werden (offene Ätzung). Je nach Zeitdauer und Aggressivität der Säureeinwirkung werden die Linien stärker oder schwächer ausgebildet. Auch  stufenweise Ätzen ist üblich. Sollen Partien kräftiger erscheinen, kann nach Abdecken  der anderen Partien nochmals geätzt werden. Dieser Vorgang ist mehrfach wiederholbar (ein Dutzend Ätzvorgänge sind keine Seltenheit); dadurch  werden Abstufungen vom hellsten Grau bis zum  tiefsten Schwarz im Druck möglich. Durch Tief- oder Durchätzung kann im Druck auch eine reliefartige Wirkung erreicht werden. Nach Entfernen des Ätzgrundes wird die Platte eingefärbt, wobei die Druckerfarbe in die Vertiefungen eingerieben, die Oberfläche aber blankgeputzt wird – es kann u.a. auch ein Rest der ein- und auftamponierten Farbe stehen gelassen werden, um malerische Wirkungen zu erzielen (Plattenton). Der Druck erfolgt auf durchfeuchtetem Papier in der Kupferdruckpresse.
Da der Zeichner auf der mit Asphaltlack grundierten Platte keinerlei Materialwiderstand erfährt, ist die Radierung der Handzeichnung nahe verwandt und in besonderer Weise eine Technik des Malers und Zeichners.

Erste Radierungen entstanden seit etwa 1500 – das erste Datum auf einer Radierung  stammt aus dem Jahre 1513, aber bereits für 1507 ist eine erste Radierung gesichert. Die Technik stellt eine Übernahme aus der Praxis des Harnischätzens dar. Deshalb stammen die erste Radierungen aus Augsburg, einer Hochburg der Plattnerei  und wird als Druckplatte Eisen verwendet. Früher Radierungen schufen u.a. Daniel Hopfer, Urs Graf und Albrecht Dürer.  Ihren Höhepunkt erreichte die Radierkunst im 17. Jahrhundert in Holland mit den Arbeiten von Hercules Seghers und Rembrandt.

WEICHGRUNDÄTZUNG (VERNIS MOU)

Die Kupferplatte ist mit einem besonders weichem Grund überzogen, ein dünnes (möglichst strukturiertes) Papier wird aufgelegt, auf das mit einem stumpfen Stift so gezeichnet wird, dass sich die Darstellung durchdrückt. Beim Abnehmen des Papiers wird der Ätzgrund an den bezeichneten Stellen mit abgehoben (er klebt am Papier fest). Die Linien erscheinen nach dem Ätzen und Drucken weich und körnig, ähnlich einem  Kreidestrich. Sowohl der Charakter des Kreide- oder des Bleistiftstriches als auch die Körnung des aufgelegten Papiers bleiben im Druck erhalten. Die von Felicien Rops (um 1860) wiederentdeckte und neubelebte Weichgrundätzung ermöglicht auch das Abreiben oder Durchdrücken von Textilstrukturen (Käthe Kollwitz),ebenso die Wiedergabe anderer Strukturen (rauhe Papiere, Sandpapier, Gaze und  Netze, etc.). Die geätzte Linie, deren Farbe leicht  erhöht auf dem Papier steht, ist meist gleich stark (weil in einem Ätzvorgang gleich stark geätzt wird) und zeigt rauhe, etwas körnige Ränder. Sehr kräftig geätzte Linien erscheinen auf der Rückseite des Druckes vertieft, auf der Vorderseite erhaben als reliefartige Erhebung.   Abzüge sind in hervorragender Qualität hinsichtlich Druckfrische und -schärfe
in etwa einer Stückzahl 40 möglich; ein guter Drucker vermag bei tieferer Linienätzung ca. 100 ausgewogene Abzüge von einer Platte zu nehmen.

Eine harte Legierung von Kupfer erlaubt bis zu 400 Drucken. Bei höheren Auflagen müssen die Platten verstählt werden.

MEZZOTINTO (Schabkunst)

Es handelt sich um eines der sog. trockenen Verfahren des Tiefdruckes – wie auch die Arbeit mit der „kalten Nadel“, um eine flächige Gestaltung, für die zunächst eine Kupferplatte gleichmäßig mit einer Wiege „gekörnt“, d.h. aufgerauht wird, diese gleicht einem küchenüblichen Wiegemesser, das statt mit einer Schneide mit kleinen Zähnen ausgestattet ist. Dabei wird die Platte mehrfach um 90 Grad gedreht und in mehreren Lagen – bis zu zwanzigmal jeweils wiederholt – absolut homogen bearbeitet. Würde die Platte in diesem Zustand abgedruckt, zeigte der Druck eine gleichmäßige samtene Schwärze. Auf die so vorbereitete Druckplatte wird der Entwurf gepaust. Anschließend erfolgt die weitere Bearbeitung mittels lanzettförmigem Schabeisen, dabei werden die Lichter herausgearbeitet, d.h. durch Wegschaben des Grates wird der Grund wieder geglättet. Stellen höchster Lichter werden mit dem Polierstahl dadurch erzeugt, dass die Platte wieder vollständig blank erscheint und Farbe sich völlig wegwischen lässt.

Erfunden wurde das Verfahren, dessen Besonderheit in der Erzeugung von Tonflächen besteht, von einem Dilettanten. Im Jahre 1642 schuf Ludwig von Siegen das erste Schabblatt. Das Verfahren, auch „Schwarze Kunst“ genannt, versuchte er geheim zuhalten. Durch einen Schüler gelangte es nach England, wo es sich zu höchster Blüte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts als Möglichkeit adäquater Gemäldereproduktionen entwickelte, auch als Farbdruck. Gedruckt wird auf einer Kupferdruckpresse.

Im 19.Jahrhundert ragen die Schabkunstblätter von Francisco de Goya heraus, im 20. Jahrhundert und der Gegenwart wird Mezzotinto nur äußerst selten angewandt.

KALTNADELRADIERUNG

Als Arbeit mit der „kalten Nadel“ wird ein anderes „trockenes“, d.h. ohne Einsatz von Säuren erfolgendes Verfahren der Radiertechniken bezeichnet. Dabei wird die Zeichnung in das blanke Metall der nicht abgedeckten Druckplatte aus Kupfer, häufiger Zink, mit der Radiernadel oder ähnlichen Werkzeugen geritzt oder quasi graviert. Unter einem gewissen Druck, durch den tiefere oder auch kaum eingetiefte Linien entstehen, wird durch Wegschieben des Metalls ein Grat gebildet. Im Unterschied zum Kupferstich wird dieser nicht entfernt, sondern wird zum besonderen Kennzeichnen der Kaltnadelradierung. Er hält nach dem Auswischen der Platte die Farbe fest und umgibt den Strich beim Druck gewissermaßen mit einer Verdoppelung. Die Farbe des Grates druckt meist stärker als die im Druckvorgang aus den Vertiefungen der Druckplatte aufgenommene. Der Strich erscheint scharf, zugleich aber malerisch durch eine Art von malerisch wirkender „Verschattung“.
Die Kaltnadelradierung steht der Gravurarbeit des Goldschmiedes am nächsten, der die Reißnadel verwandte, um die aufgezeichnete Zeichnung für gravierte Verzierungen zu markieren. Älteste Kaltnadelarbeiten stammen vom sog. Meister des Hausbuchs, bedeutende Blätter schufen von Albrecht Dürer und Rembrandt. Im 20.Jahrhundert wurde sie zur bevorzugten grafischen Technik der Maler, vor allem dank der Unmittelbarkeit des künstlerischen Ausdrucks, der durchaus jener einer Handzeichnung vergleichbar ist.

Gedruckt wird auf einer Kupferdruckpresse.

KUPFERSTICH

Gleich dem Holzschnitt im Hochdruck stellt auch der Kupferstich für den Tiefdruck die Übernahme eines älteren technischen Verfahrens dar, nämlich der Gravurarbeit des Goldschmiedes. Aus den Werkstätten der Goldschmiede sind gegen 1400 die ältesten bekannten Kupferstiche als separate Kunstwerke auf Papier hervorgegangen. Möglicherweise wurden in den Werkstätten fertige Gravierungen auf Gefäßen oder Geräten durch Einfärben mit Ruß auf Papier abgeklatscht, um so eine Art „Musterbuch“ zu erhalten.

Verwendet werden in ihrer Beschaffenheit homogene und blank polierte Kupferplatten. Es kann entweder eine Entwurfszeichnung direkt auf der Druckplatte geschaffen oder auf diese gepaust werden, zur besseren Sichtbarkeit kann die Platte mit Kreide weiß eingefärbt sein. Anschließend wird die Zeichnung mit dem Grabstichel vorgeritzt. Für die Stecherarbeit werden Grabstichel in verschiedener Stärke und Form – die Werkzeuge des Graveurs – verwendet. Dabei ruht die Platte auf einem sandgefüllten Lederkissen, sie wird mit der Hand gegen den Stichel bewegt.

Das Stecherwerkzeug wird spitz angesetzt, danach schwillt durch Verstärkung des Handdruckes die Linie an und läuft den ihrem Ende wieder spitz aus. Durch das Wegschneiden des Metalls entstehende Ränder oder Grate werden mit einem dreiseitigen Schaber weggeschnitten.

Zum Druck wird die Platte eingefärbt, anschließend wird sie „ausgewischt“, d.h. die Farbe wird von der Oberfläche entfernt, bis die Platte wieder blank erscheint. Im Ausnahmefall kann ein ganz leichter Ton stehen bleiben. Zum Druck findet allein Farbe aus den tief liegenden Linien Verwendung. Dazu wird feuchtklammes Papier in die Kupferdruckpresse eingelegt. Unter starkem Druck wird das Papier quasi in die Vertiefungen gequetscht und saugt daraus die Farbe an.
Entstanden ist der Kupferstich kurz nach 1400, die älteste Datierung lautet 1466. Meisterwerke schuf im späten 15. Jahrhundert Martin Schongaue; für die Vollendung der Technik steht das Werk Albrecht Dürers. Dabei sind der erfindende Künstler und der ausführende Stecher eine Person. Im 17. und 18. Jahrhundert fand der Kupferstich für Buchillustrationen Verwendung, Entwurf und Ausführung lagen in getrennten Händen  wodurch der handwerklich – gewerbliche Charakter  zunehmend bedeutender wurde. Später hatte er vor allem für die Herstellung von Banknoten und Wertpapieren, auch von Briefmarken, Bedeutung.

Erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann seine Renaissance als originale Technik der Künstlergraphik durch die Künstler der „Görlitzer Stecherschule“, vor allem durch Johannes Wüsten (1896 – 1943). Bis in die Gegenwart bildet der Kupferstich eine selten geübte grafische Technik, die in der Leipziger Kunst ein Zentrum besitzt, angeführt von Baldwin Zettl als wohl künstlerisch wie handwerklich bedeutendstem Kupferstecher.

AQUATINTA

Die Aquatinta, auch „Tuschemanier“ benannt (nach „aqua“ = Wasser und „tinta“ = Farbe) wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts experimentell nach Vorstufen im 17. Jahrhundert (Hercules Seghers) entwickelt und gegen 1765 durch Jean Baptiste Le Prince zum Erfolg gebracht, ist eine Halbtöne erzeugende Flächenätzung. Das Verfahren ist dadurch eine der malerischsten Tiefdrucktechniken. Im allgemeinen werden die Umrisse des Bildes leicht eingeätzt, wobei ähnlich wie bei der Radierung oder der Kalten Nadel verfahren wird. Danach wird der Deckgrund entfernt und der Platte ein säurebeständiges Korn   aus Asphalt-, Harz- oder Kolophoniumstaub aufgeschmolzen. Je feiner die Staubteilchen, desto feiner die Körnung und damit auch die erzielte Tönung. Stellen, die nicht geätzt werden sollen, werden abgedeckt. Die Säure frisst sich zwischen den aufgeschmolzenen Staubkörnchen in das Metall und macht es für die Farbe aufnahmefähig. Der Druck erfolgt wie bei der Radierung.

Um verschiedene Töne zu erreichen, muss in mehreren Stufen geätzt werden. Flache Ätzung ergibt einen Grauton, tiefes Ätzen führt zu satten Schwärzen.

Den für die Aquatinta typischen gleichmäßigen Flächenton wird durch die Feinheit  des Korns bestimmt. Das Korn kann mit verschiedenen Methoden hergestellt werden:

    • Sandpapier-Aquatinta: über den Ätzgrund wird Sandpapier gelegt, dessen Körner den Grund löchern, wenn die Platte durch die Walze gezogen wird
    • Craquelure- oder Weingeist-Aquatinta: eine Lösung von Kolophonium in Weingeist wird flüssig auf die Platte gebracht, die Lösung zieht sich beim Trocknen zusammen, und es bilden sich feine Risse, durch diese wirkt die Säure auf die Platte. Die Weingeist -Aquatinta zeigt ein Runzelkorn
    • Seesalz-Aquatinta: durch einen flüssig gehaltenen Ätzgrund wird feines Seesalz auf die Platte gegeben, das nach dem Festwerden des Ätzgrundes ausgewaschen wird; das Metall zeigt nun eine feine Punktstruktur.

Die Aquatinta findet ihre Weiterentwicklungen in der R e s e r v a g e oder Aussprengverfahren. Dabei wird mit Tusche oder Zuckerwasser auf die Platte gezeichnet, anschließend wird die Platte mit einer dünnen Asphaltschicht überzogen und ins solange in ein Wasserbad gelegt, bis sich der Zucker auflöst und den darüber liegenden Lack wegsprengt. Das freigelegte Metall wird mit einem Aquatintakorn versehen und geätzt. Das Aussprengverfahren kennt man auch im Flach- und Siebdruck. Es zeigt insgesamt rauhere Konturen als andere Aquatinta-Techniken

Flachdruck

Druckende und nichtdruckende Partien befinden sich in einer Ebene des Druckstockes, der in der Regel aus einer Kalkschieferplatte besteht, die chemisch präpariert wird. Daher rührt die Benennung als Lithographie oder „chemische Druckerei“. Der Druckbasiert auf dem Prinzip der gegenseitigen Abstoßung von Wasser und Fett, dadurch nehmen allein bezeichnete Partien des Steines Farbe an und geben diese an das Papier ab.

Flachdrucktechniken sind: Originalsteindruck, Umdrucklithographie, Schablithographie, Algraphie, Originaloffsetdruck.

Gedruckt wird mit einer speziell entwickelten Steindruckpresse – Reiberpresse.


LITHOGRAPHIE  /  STEINDRUCK

Das Verfahren entwickelte Alois Senefelder (1771 – 1834) im Jahre 1796 in München als „chemischen Druck“ und benannte es 1800 als „Lithographie“ (nach dem Griechischen „lithos“ = Stein und „graphein“ = schreiben).

Verwendung finden 6 – 15 cm starke, feinporige Druckplatten aus kohlensauerem Kalkschiefer, die sowohl Fett wie Wasser aufnehmen können.
Lithosteine stammen in Deutschland aus Brüchen in Bayern (Solnhofen, Kelheim), dem Rheinland oder Sachsen, aus Frankreich (Verdun, Les Euzes bei Dijon), aus England, Galizien und Kroatien. Die besten Steine kommen aus Solnhofen und Kelheim.
Vor der Bearbeitung müssen die Steine mit Sand, Bimsstein und Wasser absolut plan geschliffen und mittels Alaun entsäuert werden.

Die Zeichnung wird mit fetthaltiger lithographischer Farbe, Kreide oder Tusche aufgebracht unter Verwendung von Feder, Pinsel bzw. Kreide, Kombinationen und Varianten sind möglich und gebräuchlich.

Im chemischen Vorgang verbindet sich die lithographische Farbe mit dem kohlensauren Kalk des Steines zu fettsaurem Kalk; dieser reagiert fettannehmend und stößt Wasser ab.
Mittels verdünnter Salpetersäure und wasserlöslichem Gummi arabicum wird der Stein „geätzt“, d.h., er wird wasseraufnahmefähig und fettabstoßend präpariert.

Wird der angefeuchtete Stein mit Druckfarbe eingefärbt, so haftet diese nur auf der fetthaltigen Zeichnung, unbezeichnete Partien hingegen nehmen keine Farbe an. Daher muss nach jedem Druckvorgang der Stein erneut angefeuchtet werden.

Vorzüge des lithographischen Verfahrens:

  • Originalität und Unmittelbarkeit der gedruckten Zeichnung, deren Qualität direkt einer Handzeichnung entspricht, also unmittelbar die Handschrift des Künstlers wiedergibt
  • hohe Auflagen, denn bei Abnutzung des Steines kann dieser auf einen neuen Stein „umgedruckt“ werden
  • relative Billigkeit des Verfahrens

Der Lithostein  kann mit Tusche durch Feder oder Pinsel bearbeitet werden, ebenso mit Kreide, Spritztechniken mit Bürste oder Sieb sind möglich, der Schaber kann eingesetzt werden, desgleichen Stichel oder Radiernadeln, auch ist Ätzung möglich. Zum Druck werden spezielle Reiberpressen verwendet.

Farbdrucke bedingen die Verwendung je eines Steines für jede einzusetzende Farbe; durch deren Übereinanderdruck entstehen Mischtöne, dadurch erhalten die Drucke einen ausgesprochen malerischen Charakter.

Varianten sind:

  • Umdruck-Lithographie – dabei wird die Zeichnung auf speziell präpariertem Papier von diesem auf den Druckstock übertragen
  • Algraphie – eine gekörnte Aluminiumplatte wird bezeichnet
  • Zinkographie – lithographieähnliches Flachdruckverfahren mittels Zinkplatten
  • Original–Offset–Lithographie – eine seitenrichtig vom Künstler bezeichnete Druckplatte wird indirekt über ein Gummituch gedruckt.

Sowohl Algraphien als auch Zinkographien können auch in einer Kupferdruckpresse abgezogen werden oder auf den Druckzylinder einer Offsetpresse gespannt werden.

MONOTYPIE

Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Einzeldruck“. Es handelt sich um eine Randform des künstlerischen Bilddruckes, eigentlich um eine Abklatsch von Farbe von einem Träger auf Papier unter Verwendung einer Presse. Im strengen Sinne ist die Monotypie ein Spezialgebiet der Malerei, und vor allem in Oeuvre von Malern seit den französischen Impressionisten (besonders Edgar Degas) anzutreffen.

Gemalt wird auf Metall-, Glas- der auch Kunststoffplatten, von denen die feuchte Farbe, in die auch mit einem Griffel hineingezeichnet werden kann, in der Presse oder durch Handabzug abgezogen wird. Als Sonderform finden auch Lithosteine Verwendung, die in der Steindruckpresse abgezogen werden, bezeichnet als Monolithographien.

Früheste Beispiele stammen aus dem 17. Jahrhundert, beliebt war die Monotypie danach vor allem um 1900. In der Kunst der Gegenwart sind Monotypien selten anzutreffen.

Durchdruck

Ursprünglich ein Schablonenverfahren, modern findet in feinmaschiges Gewebe („Sieb“) Verwendung. Durch dessen Maschen wird die Farbe mit einem Rakel  auf das Papier gedrückt. Partien der Form, die nicht drucken sollen werden abgedeckt und lassen Farbe durch, offene Teile des Siebes sind durchlässig und lassen die Farbe passieren.

Die Durchdrucktechnik wird als Siebdruck oder Serigraphie bezeichnet.

Gedruckt wird mit Hilfe eines Rahmens, in den das „Sieb“ eingespannt ist, darunter befindet sich das zu bedruckende Material (Papier, Plastfolie, Metall, Keramik etc.). Die auf dem Sieb verteilte Farbe wird mit einem Rakel durchgedrückt.